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Die Zahl der Kreuzfahrtschiffe, die in die Arktis fahren, hat in den letzten Jahren massiv zugenommen. Immer mehr und grössere Schiffe machen sich auf den Weg, den Passagieren die Magie des Nordens zu präsentieren. Dies führt aber auch zu einem höheren Risiko für Unfälle, da nicht alle Schiffe geeignet sind, in den Gewässern des Arktischen Ozeans unterwegs zu sein. Daher hat die AECO (Gesellschaft der Anbieter für Arktisexpeditionsfahrten) ein Treffen mit verschiedenen Such- und Rettungsgesellschaften durchgeführt. Man traf sich Anfang April in Reykjavik um mögliche Szenarien zu diskutieren.

Such- und Rettungsmissionen beinhalten häufig Schiffs- und Hubschrauberoperationen, um Passagiere in Sicherheit zu bringen. Dies erfordert aber eine perfekte Koordination. Bild: Arild Lyssand
Such- und Rettungsmissionen beinhalten häufig Schiffs- und Hubschrauberoperationen, um Passagiere in Sicherheit zu bringen. Dies erfordert aber eine perfekte Koordination. Bild: Arild Lyssand

„Ein Expeditionskreuzfahrtschiff mit 300 Personen an Bord hat ein Feuer im Maschinenraum gemeldet. Das Schiff liegt nahe der Küste der Insel Jan Mayen im Arktischen Ozean. Beim Treiben an die Küste ist das Schiff auf einen Felsen aufgelaufen und Wasser ist eingetreten. Es liegt nun auf Grund und droht zu kippen. Ein Rettungsboot mit 150 Personen ist umgekippt beim Rettungsversuch. Als Resultat werden 5 Menschen vermisst und fünf weitere liegen leblos am Strand von Jan Mayen.“

Die Insel Jan Mayen liegt zwischen Island und Svalbard. Sie wird häufig von Kreuzfahrtschiffen auf deren Weg von und nach Island gekreuzt und ist sehr abgelegen. Bild: Ilja Leo Lang
Die Insel Jan Mayen liegt zwischen Island und Svalbard. Sie wird häufig von Kreuzfahrtschiffen auf deren Weg von und nach Island gekreuzt und ist sehr abgelegen. Bild: Ilja Leo Lang

Glücklicherweise ist dies nur ein theoretisches Szenario oder auch Tischübung (TTX) genannt, mit dem die 56 Teilnehmer während des Arctic Search & Rescue Workshops in Reykjavik Anfang April konfrontiert wurden. Doch im Falle eines ähnlichen realen Szenarios könnte die gemeinsame Übung die Effektivität und den Ausgang der Rettungsmisssion positiv beeinflussen. Die obengenannte Übung zielte darauf ab, die Zusammenarbeit und den Wissensaustausch zwischen der Kreuzfahrtindustrie und den SAR Servienabietern zu verstärken. Sie konzentrierte sich auf Massenrettungsmissionen relativ zu potentiellen Passagierschiffunfällen in arktischen Gewässern.
Ragnhildur Hjaltadóttir, die ständige Sekretärin des isländischen Innenministeriums, eröffnete den Workshop der von de AECO (Gesellschaft der Anbieter für Arktisexpeditionsfahrten), der isländischen Küstenwache und von Hurtigruten organisiert worden war. Das Resultat des Workshops ist ein besseres Verständnis der Kapazitäten, Möglichkeiten und Grenzen von Industrie und SAR Anbietern und deren Quellen. Ausserdem haben die Teilnehmer eine verbesserte Vorstellung und ein gemeinsames Interesse für eine rechtzeitige Kommunikation über allfällige Risiken erhalten. Die Vorteile eines engeren Kontakts, kontinuierlichen Dialogs und gemeinsamen Übungen wie dieses Workshops wurden auch herausgehoben.

Kapitän Leif Skog von Linndblad Expeditions erläutert die Dynamik von Risikobeurteilungen bei Schiffsreisen. Bild: Ilja Leo Lang
Kapitän Leif Skog von Linndblad Expeditions erläutert die Dynamik von Risikobeurteilungen bei Schiffsreisen. Bild: Ilja Leo Lang

Die Tischübung beinhaltete mehrere kritische Prozesse, die von Teilnehmern beachtet werden mussten bei einer Antwort auf einen grossen Schiffsunfall in der Arktis. Dabei erhielten sie auch Gelegenheit, ihre eigenen Erfahrungen einzubringen. Schlüsselthemen waren unter anderem SAR-Kooperationpläne, Datenbanken, Rollen und Zuständigkeiten, Erfahrungen aus Übungen und Zwischenfällen, plus Medienumgang und Notfallmanagement an Land. Während der theoretischen Übung, die eine internationale Antwort benötigte, koordinierten die Teilnehmer ihre Anstrengungen für eine effiziente gemeinsame Rettung. Dazu setzten sie Schiffe, lokale und internationale Luftfahrtressourcen und schiffs- und landbezogenen Einsatzkräfte und Gebäude ein. Trotzdem zeigte es sich, dass der Zwischenfall eine massive Herausforderung aufgrund der Distanz des hypothetischen Unfallortes zu den nächstgelegenen Rettungskräften und der gegebenen Wetterbedingungen und sich zunehmend verschlechternden Bedingungen war.
Die Teilnehmer des Workshops waren sowohl SAR Anbieter und Kreuzfahrtanbieter. Darunter waren die kanadische Küstenwache und Luftwaffe, die finnische Grenzwache, die norwegische und amerikanische Küstenwache, die isländische Polizei, das Arktiskommando der dänischen Armee und Rettungskräfte. Ausserdem mehrere AECO-Mitglieder und Arktiskreuzfahrtanbieter, andere Industriezweige und Forschungseinrichtungen. Das Arktis-Küstenwache-Forum, das ein gleichzeitiges Treffen organisiert hatte, war auch vertreten.

Das Meeting, von der AECO organisiert, wurde von verschiedenen AECO-Mitgliedern SAR-Anbietern besucht. Bild: Ilja Leo Lang
Das Meeting, von der AECO organisiert, wurde von verschiedenen AECO-Mitgliedern SAR-Anbietern besucht. Bild: Ilja Leo Lang

Die Teilnehmer waren hoch zufrieden mit dem Ausgang und dem Wert diese ersten gemeinsamen Treffens. Praktisch alle zeigten auch das Interesse an einer Fortführung in der Zukunft eines solchen Workshops und weiterer Übungen.

Quelle: AECO