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Der Leiter der Forschungsgruppe des Beringia Nationalpark wurde entlassen, nachdem er den Bau einer Militärbasis auf Wrangel Island kritisiert hatte. Der Rauswurf folgte auf einen Vorfall auf der Insel, die ein Wildtierrefugium und Nationalpark ist. Letzten Dezember wurde ein Eisbär getötet, nachdem ihn Arbeiter, die auf der Insel die Militärbasis errichten, mit einem Sprengkörper gefüttert hatten. Das Objekt detoniert danach im Magen des Bären und verletzte ihn schwer.

Wrangel Island liegt rund 150 Kilometer vor der russischen Küste in der Tschuktschensee. Menschen lebten bis 2003 auf der Insel, die schon 1976 zu einem Nationalpark erhoben wurde und im Jahr 2004 in die Liste der Weltnaturerbe aufgenommen wurde.
Wrangel Island liegt rund 150 Kilometer vor der russischen Küste in der Tschuktschensee. Menschen lebten bis 2003 auf der Insel, die schon 1976 zu einem Nationalpark erhoben wurde und im Jahr 2004 in die Liste der Weltnaturerbe aufgenommen wurde.

Anatoly Kochnev, der Leiter der Forschungsgruppe des Beringia Nationalpark, wurde aufgefordert, seinen Posten umgehend zu räumen, nachdem er sich vor kurzem kritisch über den momentanen Aufbau einer Militärbasis auf Wrangel Island geäussert habe, schreibt der Fotograf Mikhail Korostelev in seinem Blog. Kochnev gilt als einer der führenden Experten für Eisbären in Russland.

In einem kürzlich veröffentlichten Kommentar über den brutalen Tod eines Eisbären auf Wrangel Island, unterstrich Kochnev, dass die Schuld nicht nur dem Mörder des Bären, nach Angaben einer der Köche der Militärbasis, gegeben werden sollte. Auch die russischen Behörden, die für den militärischen Aufbau verantwortlich sind, seien mitschuldig. Gemäss Kochnev führe die Entwicklung von Militärbasen in der russischen Inselwelt des Nordens unweigerlich zu einem stärkeren Konflikt zwischen Menschen und Eisbären. Wie bereits bekannt ist Russland dabei, entlang seiner arktischen Küste mehrere Militärbasen zu bauen, darunter auch auf Franz-Josef-Land, den Neusibirischen Inseln und auf Wrangel Island. «Der Rohstoffminister selbst ist Schuld (am Tod des Eisbären)», schrieb Kochnev in seinem Artikel. «Schliesslich konnten sie dank seines Ja-Wortes letztes Jahr mit dem Bau der Militärbasis mitten auf Wrangel Island beginnen und unsere mutigen Arktistruppen konnten Übungen abhalten», schreibt er weiter. «Man hätte niemals eine Militärbasis in einem Nationalpark errichten dürfen», hebt der Forscher hervor.

Diese Bild aus einem Youtube-Video zeigt eine verletzte und Blut-speiende Eisbärin und war der Grund für Kochnev‘s Kritik. Die Bärin war schwer verletzt worden, nachdem ihr ein Knallkörper zu fressen gegeben worden war, der in ihrem Magen danach explodierte.
Diese Bild aus einem Youtube-Video zeigt eine verletzte und Blut-speiende Eisbärin und war der Grund für Kochnev‘s Kritik. Die Bärin war schwer verletzt worden, nachdem ihr ein Knallkörper zu fressen gegeben worden war, der in ihrem Magen danach explodierte.

Kochnev’s Blogeintrag folgte auf ein Youtube-Video, welches die brutale Tötung einer Eisbärin gezeigt hatte und damit für weltweites Aufsehen im Netz gesorgt hatte. Im Video füttern Bauarbeiter auf Wrangel Island zuerst den Bären und geben ihr dann eine Kiste mit Knallkörpern, die die Bärin verschlingt und die darauf im Magen der Bärin explodieren. Gemäss dem Eisbärexperten sollten Massnahmen getroffen werden, um Konflikte zwischen Militärpersonal und Eisbären zu verhindern. Unter diesen Massnahmen ist auch der Bau eines massiven Zauns um die Camps, erklärt Kochnev auf seiner Seite. Studien von ihm und Kollegen hatten eine massive Zunahme von Konfliktsituationen zwischen Menschen und Bären im östlichen Bereich der russischen Arktis gezeigt. Während die Zahl der gemeldeten Vorfälle im Zeitraum zwischen 1992 – 1996 bei null lagen, waren allein im Jahr 2012 bereits 16 Fälle gemeldet worden, von denen zwei tragisch für die involvierten Menschen geendet hatten.

Der russische Wissenschaftler Anatoly Kochnev ist einer der führenden Spezialisten für Eisbären und Arktische Biologie im russischen Beringia National Park Chukotka. Neben seiner Tätigkeit für den Nationalpark arbeitet er für die russische Akademie der Wissenschaften, Institut für biologische Probleme im Norden. Bild Anatoly Kochnev
Der russische Wissenschaftler Anatoly Kochnev ist einer der führenden Spezialisten für Eisbären und Arktische Biologie im russischen Beringia National Park Chukotka. Neben seiner Tätigkeit für den Nationalpark arbeitet er für die russische Akademie der Wissenschaften, Institut für biologische Probleme im Norden. Bild Anatoly Kochnev

Die Militärbasis auf Wrangel wurde zusammen mit einem Flugfeld bereits kurz nach dem 2. Weltkrieg gebaut und in den 70er Jahren wieder aufgegeben. Im Jahr 2014 kehrten Militärpersonal zurück und begannen mit dem Ausbau. Die russische Firma Rusalians baut im Auftrag des Verteidigungsministeriums die Base.

Quelle: Atle Staalesen, The Independent Barents Observer