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Eine russische Expedition in die Arktis ist Ende Juli 2012 von ihrer zweiwöchigen Reise mit der «Professor Molchanov» nach Archangelsk zurückgekehrt. Eine der Aufgaben waren planmässige Feldarbeiten, auf deren Grundlage man eine Strategie zur Entwicklung des Nationalparks «Russische Arktis» für 2013-2017 erarbeiten wird.

Die «Professor Molchanov» am 24. Juli 2012 vor Anker bei Champ Island, war früher bei Polar-Touristen sehr beliebt. Heute steht das Schiff nur noch für russische Expeditionen zur Verfügung.
Die «Professor Molchanov» am 24. Juli 2012 vor Anker bei Champ Island, war früher bei Polar-Touristen sehr beliebt. Heute steht das Schiff nur noch für russische Expeditionen zur Verfügung.

Während der Seefahrt besuchten die Expeditionsteilnehmer unter anderem das Weisse Meer, die Barentssee und erkundeten Nowaja Semlja einschliesslich der Oranskiy-Insel, wo grössere Kolonien von Walrossen und Dickschnabellummen vorkommen. Nach dem Ankern beim Kap Shelanija, dem nördlichsten Punkt von Nowaja Semlja, begaben sich die Expeditionsmitglieder in den Hafen Russkaja. Der Ort war auf diesen Namen in den 1870er Jahren vom norwegischen Industriellen und Jäger Mak getauft worden, als dieser am Strand verwahrloste russische Kreuze gesehen hatte. Dorthin seien die Pomoren seit Menschengedenken auf die Jagd nach Seetieren gegangen, sagte die Pressesprecherin des Nationalparks «Russische Arktis» Marina Menschikowa.

Treffen alter Freunde auf Champ Island, v.l.n.r. Heiner Kubny, Victor Boyarsky, Rosamaria Kubny, Sepp Friedhuber
Treffen alter Freunde auf Champ Island, v.l.n.r. Heiner Kubny, Victor Boyarsky, Rosamaria Kubny, Sepp Friedhuber

Die Forscher untersuchten den Boden und die Gewässer vor Ort, konservierten und vermassen alle historischen Objekte, zeichneten sie auf der Karte ein und versahen mit Informationsschildern. Die während der Expedition eingesammelten Angaben müssen erst noch sorgfältig analysiert werden. Inzwischen sei die Besatzung der «Professor Molchanov» nach der Begegnung mit der arktischen Natur und deren Lebewesen – Walrossen, Vögeln, Grönlandwalen und natürlich auch Eisbären – von Eindrücken überwältigt, sagt Marina Menschikowa.

Am 80. Breitengrad, wo das Naturschutzgebiet «Franz-Josef-Land», ein Teil des Nationalparks «Russische Arktis», liegt, besuchten die Expeditionsteilnehmer das nördlichste Postamt und die nördlichste Grenzschutzeinheit Russlands, sowie Champ Island. In den kommenden zwei Monaten würden die Wissenschaftler, unter denen Geographen, Botaniker, Glaziologen, Ornithologen und Ökologen sind, die 191 Inseln des Franz-Josef-Landes erkunden, sagt die Pressesprecherin des Parks «Russische Arktis»

Der Rubini Rock in der Tichaja Bucht ist der grösste Vogelfelsen des Archipels und Brutplatz von Dickschnabellummen, Dreizehenmöwen, Gryllteisten und Eismöwen.
Der Rubini Rock in der Tichaja Bucht ist der grösste Vogelfelsen des Archipels und Brutplatz von Dickschnabellummen, Dreizehenmöwen, Gryllteisten und Eismöwen.

Ihre Hauptaufgabe sei es, jene Orte zu beobachten, die bis anhin unerforscht blieben. Seit Anfang den 1990er Jahren hat man begonnen, die Inselgruppe Franz-Josef-Land aktiv zu erkunden. Es gibt aber ein paar Inseln, die noch absolut unerforscht sind.

Der Nationalpark «Russische Arktis» wurde 2009 im Auftrag der russischen Regierung gegründet. Das ist eines der nördlichsten Naturschutzgebiete Russlands. Auf Alexandra Land befindet sich das wichtigste Fortpflanzungsgebiet der atlantischen Walrosse. Darüber hinaus ist diese Region für die im Norden grössten Vogelkolonien bekannt. Es sind ungefähr 60 davon bekannt.

Seltene Begegnung auf Oranskiy Island. Walrosse, Vogelfelsen und Eisbär auf demselben Bild.
Seltene Begegnung auf Oranskiy Island. Walrosse, Vogelfelsen und Eisbär auf demselben Bild.