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Nach sechs Jahren harter Arbeit, ist es einem norwegischen Team jetzt gelungen, die Maud - das Schiff, des berühmten Polarforscher Roald Amundsen - aus seinem eisigen Grab in den Gewässern von Nunavut in der Nähe von Cambridge Bay in Kanada zu heben. Das Schiff wurde an die Oberfläche gebracht und wird jetzt für den Winter vorbereitet, bevor es im nächsten Jahr nach Norwegen nach Hause gebracht werden kann.

Die Maud, benannt nach Königin Maud von Norwegen, wurde für Roald Amundsens Reise durch die Nordostpassage entworfen und gebaut. „Es ist ein schönes Schiff und sie ist sehr stark“, sagt Jan Wanggaard, der Projektleiter des norwegischen Teams Maud Returns Home. Bild: Jan Wanggaard
Die Maud, benannt nach Königin Maud von Norwegen, wurde für Roald Amundsens Reise durch die Nordostpassage entworfen und gebaut. „Es ist ein schönes Schiff und sie ist sehr stark“, sagt Jan Wanggaard, der Projektleiter des norwegischen Teams Maud Returns Home. Bild: Jan Wanggaard

Die Maud wurde am 7. Juni 1917 gebaut, und von Amundsen bei seiner Expedition in der Nordostpassage 1918-20 benutzt. Leider war die Expedition nicht erfolgreich. Nach einem weiteren gescheiterten Versuch 1920-21 von der Bering Strasse, gab Amundsen schließlich auf. Die Maud wurde im Jahre 1925 an die Hudson's Bay Company verkauft und in Baymaud umgetauft. Sie beendete ihre Tage als schwimmendes Lager und erste Radiostation der Region, bevor sie 1930 an ihren Liegeplatz im Eis gefangen in der Nähe von Cambridge Bay, Nunavut, Kanada sank. Die ei-förmige Bauweise des Rumpfes hat dazu beigetragen, dass ihre Struktur dem heftigen Druck des Eises standhielt, sagt Wanggaard. Und obwohl sie mehr als 80 Jahre in arktischen Gewässern lag, hat das Schiff viel von seiner Integrität behalten.

Der ei-förmige Rumpf der Maud hat geholfen, ihre Struktur selbst unter dem starken Druck des Eises zu erhalten, sagt Wanggaard. Bild: Jan Wanggaard
Der ei-förmige Rumpf der Maud hat geholfen, ihre Struktur selbst unter dem starken Druck des Eises zu erhalten, sagt Wanggaard. Bild: Jan Wanggaard

Wanggaard und sein Team sind seit 6 Jahren jeden Sommer in Cambridge Bay, um an dem Wrack zu arbeiten. Im Juni 2016, begann das Team mit dem Aufblasen von Airbags und Ballons um das Schiff herum. Ihre Erfahrung nach einem erfolglosen Versuch im letzten Jahr trug dazu bei, dass sie dieses Jahr besser vorbereitet waren, mit zusätzlichen Schwimmhilfen. Endlich im Juli 2016 schwamm die Maud zum ersten Mal wieder auf dem Wasser seitdem sie 1930 gesunken war. Im Juli und August arbeitete das Team daran, die Maud auf einen Lastkahn zu befördern. Für den grössten Teil des Septembers bestand ihre Arbeit darin, das Innere des Schiffes zu reinigen. „Sie war mit Schlamm und Schmutz bedeckt“, sagt Wanggaard.

Ein Blick aus der Vogelperspektive auf das Wrack der Maud. Das Bild wurde vergangenes Jahr mit Hilfe eines Drachens aufgenommen. Foto: Jan Wanggaard
Ein Blick aus der Vogelperspektive auf das Wrack der Maud. Das Bild wurde vergangenes Jahr mit Hilfe eines Drachens aufgenommen. Foto: Jan Wanggaard

Die Maud liegt jetzt auf einem Lastkahn in der Nähe der Küste. Im Winter wird sie an Ort und Stelle einfrieren. Das Trocknen wird das Gewicht des Schiffes reduzieren und auch den Druck auf die Maud verringern, der durch ihren eigenen mit Wasser vollgesogenen Schiffskörper auf sie ausgeübt wird. Aber das Trocknen eines massiven Holzschiffes mit dickem Rumpf, der seit 85 Jahren im Wasser gelegen hat, darf nicht übereilt werden. Das kalte Wetter wird helfen, sagt Wanggaard, denn die niedrigen Temperaturen belasten das Holz weniger.

Stig Pettersen trägt eine grosse Portion Schlamm aus der Maud, während Terje Morved den alten Motor freilegt. Bild: Jan Wanggaard
Stig Pettersen trägt eine grosse Portion Schlamm aus der Maud, während Terje Morved den alten Motor freilegt. Bild: Jan Wanggaard

Seitdem die Maud auf dem Wasser ist, kommen jeden Tag Einheimische vorbei und werfen einen Blick auf das historische Schiff und machen einige Fotos. „Jeder ist überrascht, dass es so groß und in einem so guten Zustand ist“, sagt Wanggaard. Er sagt, dass selbst nach all den Jahren der Arbeit auf dem Schiff, seine Mannschaft jeden Tag darüber redet, was eigentlich auf der Maud und ihrem Weg der wissenschaftlichen Entdeckungen passiert ist. „Es ist faszinierend“, sagt Wanggaard. Er fügt hinzu, dass das Team immer wieder Hinweise darauf findet wie das Leben an Bord des Schiffes war. Die meisten Leute in Cambridge Bay, sagt Wanggaard, haben kein Problem damit, dass das Schiff zurück nach Norwegen gebracht werden soll. „Es lohnt sich sie zurück zu bringen, um sie zu schützen und für die Zukunft zu bewahren, denn früher oder später wäre sie hier vollständig von der Natur zerstört worden.“

Eine historische Ansicht von Roald Amundsens Schiff Maud das 1917 erbaut wurde. Foto: Anders Beer Wilse/Norwegische Museum für Kulturgeschichte
Eine historische Ansicht von Roald Amundsens Schiff Maud das 1917 erbaut wurde. Foto: Anders Beer Wilse/Norwegische Museum für Kulturgeschichte

Die ausgezeichnete Verfassung der Maud lässt Wanggaard und sein Team hoffen, dass sie im nächsten Sommer die Reise zurück nach Norwegen antreten kann, wenn das Team wieder in die Cambridge Bay zurückkehrt. Die Aufgabe des Teams im nächsten Jahr wird es sein, das Schiff zu stabilisieren und wieder seetüchtig zu machen. Wanggaard hat sich bereits zwei mögliche Reisewege angesehen: entweder durch die Nord-West-Passage und Grönland, oder „über Russland, weil die Maud dort ursprünglich herkam.“ So oder so: „Wir haben eine lange Fahrt vor uns“, sagt Wanggaard.

Quelle: Sima Sahar Zerehi, CBC News