pn en

In den letzten Jahren sind vermehrt Makrelen in den Gewässern Grönlands aufgetaucht und im Zuge davon entstand ein neuer und wichtiger Fischereizweig. Die ersten Makrelen wurden in Grönland 2011 gefangen und nur gerade drei Jahre später ist die Makrelenefischerei mit ihren 23 Prozent Exportanteil zu einem der wichtigsten Fischereindustrien geworden und exportierte 78‘000 Tonnen in die Welt.

Fischerei ist einer der wichtigsten Einnahmequellen Grönlands und macht mehr als ¾ der gesamten Wirtschaftskraft aus. Doch bisher waren vor allem Plattfische und Krebstiere die Hauptexportarten der grönländischen Fischer. Mit dem vermehrten Auftreten von Makrelen wird sich dies ändern.
Fischerei ist einer der wichtigsten Einnahmequellen Grönlands und macht mehr als ¾ der gesamten Wirtschaftskraft aus. Doch bisher waren vor allem Plattfische und Krebstiere die Hauptexportarten der grönländischen Fischer. Mit dem vermehrten Auftreten von Makrelen wird sich dies ändern.

„Die Ankunft der Makrelen in Grönland ist eines der extremsten Beispiele, wie Klimawandel die Wirtschaft einer ganzen Nation beeinflussen kann“, erklärt Chefwissenschaftler Teunis Jansen vom DTU Aqua und dem grönländischen Institut für natürliche Rohstoffe. Er steckt hinter der ersten Studie über die Ankunft der Makrelen und deren Ausbreitung in den grönländischen Gewässern.  Die Resultate der Studie wurden eben erst im renommierten Fachjournal Ecological Applications veröffentlicht. „Wir haben das Vorkommen der Makrelen in der Fischereizone Grönlands kartographiert und zwar vom Osten der Dänemarkstrasse bis in den Süden nach Kap Farewell. Und wir haben mehr oder weniger überall Makrelen während des Sommers gefunden. Die grössten Mengen waren in den wärmeren Gewässern mit einer Durchschnittstemperatur von 8.5°C“, erklärt Jansen weiter. Und es sind wohl genau diese wärmeren Oberflächenwasser, die den Schlüssel zum Verständnis der Makrelenverteilung beinhalten, vermutet Jansen. In derselben Zeit der Studie wurden Rekordtemperaturen in den Ozeanströmungen von den Laichgründen der Makrelen bis in den Nordosten von Island und Grönland gemessen.

Makrele ist der Name einer Reihe von verschiedenen Fischarten. Im Atlantik ist Scomber scombrus die häufigste und wirtschaftlich wichtigste Art. Sie bilden riesige Aggregationen, sogenannte Schulen, und leben vor allem in den temperaten Gewässern. Bild: Hans Hillewaert
Makrele ist der Name einer Reihe von verschiedenen Fischarten. Im Atlantik ist Scomber scombrus die häufigste und wirtschaftlich wichtigste Art. Sie bilden riesige Aggregationen, sogenannte Schulen, und leben vor allem in den temperaten Gewässern. Bild: Hans Hillewaert

Nachdem die Makrelen im Frühling abgelaicht haben, folgen sie dem Norwegenstrom nach Nordosten in die Sommerfressgebiete. Aber seit etwa 2007 sind grosse Mengen von Makrelen plötzlich in der Irmingerströmung, dem nordwestlichen Arm des Golfstromes, rund um Island aufgetaucht. Jedes Jahr zogen die Fische weiter in diese Richtung und 2011 wurden sie dann zum ersten Mal in Grönland gefangen. „Eine Erklärung dafür ist, dass die Fische dort, wo sie normalerweise immer nach rechts gezogen sind, um dem Norwegenstrom zu folgen, auch nach links gezogen sind in Richtung Irmingerstrom nach Nordwesten. In den letzten Jahren haben wir Rekordtemperarturen in dieser Strömung gemessen und die Fische haben nun diese „Schnellstrasse“ genutzt, um die nahrungsreicheren Gebiete zu erreichen und der wachsenden Population neuen Raum zu bieten. Denn gleichzeitig ist die Nahrung in den alten Gebieten stark zurückgegangen“, führt Teunis Jansen aus. Ob die Makrelen schon vor 2011 vor Grönland gewesen sind, lässt sich nicht sagen, da Ostgrönland nicht gross besiedelt und befischt worden ist.

Makrelen sind Planktonfresser und halten sich gerne in temperaten Gewässern mit hoher Produktivität auf. Aufgrund des Klimawandels verschieben sich aber die traditionellen Futtergebiete nach Norden und bilden ein Risiko für kälteangepasste Arten.
Makrelen sind Planktonfresser und halten sich gerne in temperaten Gewässern mit hoher Produktivität auf. Aufgrund des Klimawandels verschieben sich aber die traditionellen Futtergebiete nach Norden und bilden ein Risiko für kälteangepasste Arten.

„Unsere Resultate weisen darauf hin, dass die lokalen Bedingungen für kurze Zeit immer wieder mal gut gewesen waren. Aber im Vergleich zur gegenwärtigen Situation und den zukünftigen Szenarien war das Ganze vernachlässigbar. Die Gebiete mit den für Makrelen angenehmen Temperaturen haben sich in den letzten Jahren rund um Grönland verdoppelt. Und unsere Vorhersagen zeigen, dass sie sich weiter ausbreiten und für längere Zeiträume vorhanden sind“, merkt Jansen an. Doch er fügt an, dass die Fänge 2015 geringer gewesen sind als noch 2014, als die Studie durchgeführt worden war. „Vielleicht war der Frühling 2015 etwas kälter und weil es mehr Plankton rund um Island gab, sind viele Makrelen nicht weiter nach Nordosten gezogen. Es gibt also jährliche Unterschiede. Wir untersuchen gegenwärtige diese Variation und in einigen Jahren können wir vielleicht den Fischern eine Vorhersage über die Makrelen liefern.“

Die Ankunft der Makrelen rund um Grönland eröffnet den lokalen Fischern neue Möglichkeiten, denn im Zug der Makrelen sind auch andere Arten nach Grönland gezogen, wie beispielsweise die Blauflossenthunfische.
Die Ankunft der Makrelen rund um Grönland eröffnet den lokalen Fischern neue Möglichkeiten, denn im Zug der Makrelen sind auch andere Arten nach Grönland gezogen, wie beispielsweise die Blauflossenthunfische.

Für die grönländische Wirtschaft sind die Makrelen ein willkommener Neuling, nachdem die traditionelle Garnelenfischerei durch schwindende Populationen immer weiter zurückgegangen ist. Andere Arten sind den Makrelen gefolgt, zum Beispiel die Blauflossenthunfische, die als Beifang den Makrelenfischer in die Netze gegangen sind. Doch die Neuankömmlinge könnten den einheimischen Arten gefährlich werden als Nahrungskonkurrenten oder die höheren Temperaturen könnten Probleme machen. „Der Klimawandel ist eine riesige Herausforderung und auch wenn es mehr solche lokal positive Geschichten geben wird, ist es wichtig, dass wir diese nicht als Entschuldigung für die Nichteinführung von strukturellen und technologischen Veränderungen nehmen. Global gesehen sind die Nachteile des Klimawandels immer noch in der Mehrheit“, schliesst Teunis Jansen ab.

Quelle: Technical University of Denmark