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Eisbären sind bis anhin perfekt an ihren harschen Lebensraum angepasst gewesen, auch energetisch gesehen. Die Sommerzeit, wenn alle anderen Tiere in einer Zeit des Überflusses schwelgen, fasten Eisbären und müssen von ihren Reserven des Winters leben. Doch wegen des Klimawandels werden die Sommer länger – und die Tiere schwächer.

Eisbären darben in den Sommermonaten, wenn sie den Moment, aufs Eis zu gehen, verpasst haben. Wenn sie sonst nichts zu fressen finden, werden auch einmal Algen zur Nahrung. Bild: Michael Wenger
Eisbären darben in den Sommermonaten, wenn sie den Moment, aufs Eis zu gehen, verpasst haben. Wenn sie sonst nichts zu fressen finden, werden auch einmal Algen zur Nahrung. Bild: Michael Wenger

Eisbären sind es gewohnt, längere Zeit zu hungern, wenn im arktischen Sommer das Eis schmilzt und damit ihr Jagdrevier schrumpft. Sie drosseln dann ihren Energieverbrauch. Allerdings sind die Einsparmöglichkeiten der Tiere begrenzt, berichten US-Forscher im Fachblatt "Science". Wenn infolge des Klimawandels das Eis immer früher schmilzt und sich die sommerlichen Hungerzeiten noch weiter verlängern, sei ihr Überleben gefährdet. Hauptnahrung der Eisbären sind Robben, die sie vor allem auf dem Eis jagen. Zwischen April und Juli machen sie die meiste Beute, weil dann die Robben ihre Jungen auf dem Eis aufziehen. Ab August sind die Jagdaussichten schlecht, weil die Robben dann ins offene Meer verschwinden und das Eis sich zurückzieht. Einige Eisbären folgen dem Eis, andere bleiben an der Küste.

Während der Sommermonate liegen die Robben an der Kante des Packeises. Dorthin müssen Eisbären wandern, wenn sie etwas zu fressen finden wollen. Doch nur jede zehnte bis zwölfte Chance ist auch erfolgreich. Bild: Michael Wenger
Während der Sommermonate liegen die Robben an der Kante des Packeises. Dorthin müssen Eisbären wandern, wenn sie etwas zu fressen finden wollen. Doch nur jede zehnte bis zwölfte Chance ist auch erfolgreich. Bild: Michael Wenger

Bisher hatten manche Forscher vermutet, dass Eisbären während dieser Hungerzeit ähnlich wie in einer Winterruhe ihren Stoffwechsel drastisch herunterfahren und sich nur noch wenig bewegen, um ihre Überlebenschancen zu verbessern. So könnten sie womöglich auch die infolge des Klimawandels längeren Hungerzeiten überstehen. Doch dieser Zustand von „Wandernder Winterruhe“ stimmt nicht mit den gemessenen Daten überein. Die Messresultate entsprechen eher den Daten von fastenden, nicht ruhenden Säugetieren. Allerdings stellten sie fest, dass die Eisbären ihre Körpertemperatur in verschiedenen Körperregionen unabhängig voneinander regulieren können. Wenn sie längere Zeit im kalten Wasser schwimmen, kühlen sie ihre äußeren Gewebe ab, um die Wärme im Körperinneren zu halten, berichten die Wissenschaftler. "Diese regionale Heterothermie könnte eine Anpassung an das Langstrecken-Schwimmen sein, obwohl ihre Grenzen bisher unbekannt sind", schreiben die Forscher. Sie berichten von einer Eisbärin, die neun Tage durchgeschwommen sei. Allerdings habe sie dabei 22 Prozent ihrer Körpermasse – und ihr Jungtier – eingebüßt.

Mütter sind besonders gefährdet im Sommer. Denn sie müssen nicht nur sich selbst verpflegen, sondern auch noch für ihre Jungen sorgen. Daher ist ein früher Gang auf das Packeis sehr wichtig und sollte nicht verpasst werden. Bild Michael Wenger
Mütter sind besonders gefährdet im Sommer. Denn sie müssen nicht nur sich selbst verpflegen, sondern auch noch für ihre Jungen sorgen. Daher ist ein früher Gang auf das Packeis sehr wichtig und sollte nicht verpasst werden. Bild Michael Wenger

Die Ergebnisse zeigen, dass Eisbären vermutlich nicht in der Lage sind, einen Verfall ihrer körperlichen Verfassung zu verhindern, wenn das Meereis weiter schwindet und die eisfreie Zeit länger wird, fassen die Wissenschaftler zusammen. Gemäss Steven Amstrup, dem leitenden Wissenschaftler bei Polar Bears International und Mitautor der Studie, beleuchtet die Arbeit weiter die schon „extensiven Kenntnisse über Eisbärökologie und untermauert frühere Resultate, dass der Schlüssel zum Schutz der Eisbären im Stoppen des Meereisverlusts liegt.“

Quelle: Anja Garms, Die Welt, www.welt.de