pn en

Das Rennen zum Südpol zwischen Roald Amundsen und Robert Falcon Scott gehört zu den spannendsten und tragischsten Ereignissen in der Polarforschung. Obwohl schon vieles darüber bekannt ist, tauchen immer wieder neue Gegenstände aus dem Eis auf, die weitere Details rund um die Schicksale aus der damaligen Zeit liefern. Ein Notizbuch eines Fotografen, welches vor einem Jahrhundert in Scott's letzter Expeditionsbasis bei Kap Evans zurückgelassen wurde, ist nun entdeckt und vom New Zealand Antarctic Heritage Trust (NZAHT) konserviert worden.

Das Notizbuch von George Levick, einem der Fotografen in Scott's Nordteam erlaubt weitere Einblicke in das Leben in der Basis. © Antarctic Heritage Trust (NZ)
Das Notizbuch von George Levick, einem der Fotografen in Scott's Nordteam erlaubt weitere Einblicke in das Leben in der Basis. © Antarctic Heritage Trust (NZ)

Die Spezialisten des NZAHT fanden das Notizbuch ausserhalb von Scott's Terra Nova Basis von 1911. Jedes Jahr verursacht die Schneeschmelze andere Wasserläufe rund um die Gebäude. Dabei wurde dieses Buch nun nach über 100 Jahren wieder freigesetzt und entdeckt. Der Titel des Buches lautet „Wellcome Photographic Exposure Record and Diary 1910" und gehörte einst George Murray Levick (1876 – 1956), einem Chirurgen, Zoologen, und Fotografen.

George Murray Levick beim Pfeifenrauchen und Lesen auf seinem Bett in der Hütte von Kap Adare. © P48/14/5 Scott Polar Research Institute, Universität Cambridge
George Murray Levick beim Pfeifenrauchen und Lesen auf seinem Bett in der Hütte von Kap Adare. © P48/14/5 Scott Polar Research Institute, Universität Cambridge

Levick war ein Mitglied von Scott's Expedition von 1911 – 1913 und Teil des nördlichen Teams, welche zur Erforschung der weiteren Umgebung im Rossmeerbereich abkommandiert war. Das Notizbuch enthält Bleistifteinträge über die Details von Daten, Objekte und Beleuchtungsdetails der Fotografien, die Levick 1911 während des Aufenthaltes auf Kap Adare machte, bevor er zusammen mit dem Rest des Teams einen strengen Winter in einer Eishöhle auf Inexpressible Island verbringen musste. „Es ist ein aufregender Fund. Das Notizbuch war ein fehlendes Stück der offiziellen Expeditionsaufzeichnungen. Nachdem wir nun die letzten sieben Jahre damit verbracht habe, die Gebäude und die Sammlung von Scott's letzter Expedition zu bewahren, ist es grossartig, immer noch neue Artefakte dazu zu finden", erklärt Nigel Watson, der Geschäftsführer des New Zealand Antarctic Heritage Trust. Die Organisation hat sich den Erhalt von fünf historischen Expeditionsbasen im Rossmeerbereich zur Aufgabe gemacht, darunter diejenigen von Shackleton und Edmund Hillary.

Die Bindung des Notizbuches wurde durch 100 Jahre Eis und Wasser aufgelöst und so konnten die einzelnen Seiten besser digitalisiert werden, bevor die Restaurierung begann. Eine nähere Untersuchung des Buchinhaltes hat gezeigt, dass eine enge Verbindung zwischen den Einträgen und Bildern besteht, die am Scott Research Institut in Cambridge aufbewahrt werden und Levick zugeordnet wurden. Jede Buchseite wurde von einer Spezialistin des NZAHT in Neuseeland stabilisiert und gereinigt bevor sie wieder zusammengefasst und gebunden wurden. Auch der Einband wurde restauriert und das gesamte Werk wurde wieder zurück nach Antarktika gebracht, wo es als eines von 11'000 Artefakten bei Kap Evans ausgestellt wird... ein Fenster zurück in das heroische Zeitalter der Antarktiserforschung.

Die Auszüge aus dem Notizbuch zeigen einen Eintrag von Levick: Priestley, Dickason und Browning beim Aussetzen einer Fischfalle und Campbell mit dem Theodoliten. © NZAHT
Die Auszüge aus dem Notizbuch zeigen einen Eintrag von Levick: Priestley, Dickason und Browning beim Aussetzen einer Fischfalle und Campbell mit dem Theodoliten. © NZAHT

Quelle: New Zealand Antarctic Heritage Trust, www.nzaht.org