pn en

Der Westantarktisteil des Südlichen Ozeans ist das Nahrungsgebiet zahlreicher Finn- und Buckelwale. Rund 5‘000 Finnwale und etwa 3‘000 Buckelwale wandern im Sommer in die eisfreien Gewässer. Diese Schätzungen stammen von neuesten Zählungen, die mit Hilfe von Hubschraubern in den antarktischen Gewässern durchgeführt worden sind. Gleichzeitig wurde auch eine Übersicht über Krill mit Hilfe von Schleppnetzen erstellt, um herauszufinden, ob die Verteilung der Wale und bestimmter Krebsarten miteinander zusammenhängen. Die Studie wurde von Helena Herr von der Universität Hannover geleitet und die Resultate in einer Sonderausgabe der Fachzeitschrift Polar Biology veröffentlicht.

Buckelwale sind häufig in der Bransfieldstrasse und entlang der Antarktischen Halbinsel zu beobachten. Sie sind durch ihre riesige Fluke und den Buckel beim Abtauchen sehr leicht erkennbar. Wenn sie beim Fressen aus dem Wasser kommen, ist der massive Kopf häufig gut sichtbar. Bild: Michael Wenger
Buckelwale sind häufig in der Bransfieldstrasse und entlang der Antarktischen Halbinsel zu beobachten. Sie sind durch ihre riesige Fluke und den Buckel beim Abtauchen sehr leicht erkennbar. Wenn sie beim Fressen aus dem Wasser kommen, ist der massive Kopf häufig gut sichtbar. Bild: Michael Wenger

Das Team von Helena Herr erstellte im Rahmen ihrer Arbeit Verteilungskarten, die eine Vorhersage über die Dichte von Buckelwalen (Megaptera novaeangliae) und von Finnwalen (Balaenoptera physalus) in der Bransfieldstrasse und der Drake Passage erlauben. Ein Resultat der Arbeit zeigt, dass die beiden Arten sich im Habitat und den Nahrungsgebieten um die westliche Seite der antarktischen Halbinsel nicht überlappen. Geschätzte 3‘024 Buckelwale hielten sich im Sommer 2013 in den Küstenbereichen der Bransfieldstrasse auf, die zwischen den Südshetlandinseln und der antarktischen Halbinsel liegt. Auf der anderen Seite schätzen die Forscher die Zahl der Finnwale auf 4‘898, die sich am Schelfrand der Drake Passage aufhalten.

Finnwale sind die zweitgrössten Wale der Welt. Sie können eine Gesamtlänge von 20 – 22 m erreichen und wiegen rund 80 Tonnen. Der Unterkiefer ist zweifachgefärbt und die rechte Seite ist hellgrau bis weiss statt grau. Bild: Michael Wenger
Finnwale sind die zweitgrössten Wale der Welt. Sie können eine Gesamtlänge von 20 – 22 m erreichen und wiegen rund 80 Tonnen. Der Unterkiefer ist zweifachgefärbt und die rechte Seite ist hellgrau bis weiss statt grau. Bild: Michael Wenger

Die Krilluntersuchung zeigte, dass Euphausia superba die am weitesten verbreitete und häufigste verfügbare Nahrungsquelle für Wale in der Region ist. Die Krillart Euphausia crystallophora wurde nur sporadisch in kleinen Zahlen in Küstennähe gefunden und Thysanoessa macrura generell jenseits der Schelfkante. Die Beziehung zwischen den Walen und dem Krill, von dem sie sich ernähren, ist keine einfache Sache. Zum Zeitpunkt der Untersuchung frassen die Finnwale in einem Gebiet, in dem Thysanoessa macrura dominierte. Man weiss aber, dass sie auch Euphausia superba fressen. Scheinbar ernähren sich Finnwale also opportunistisch, je nach Verfügbarkeit der Nahrung in den Gebieten der Schelfkanten.

Krill beschreibt verschiedene Krebasrten im Südpolarmeer und bedeutet „Walfutter“. Generell wird Euphausia superba als Antarktischer Krill bezeichnet, der am häufigsten in der südlichen Hemisphäre vorkommt. Bild: Uwe Kils
Krill beschreibt verschiedene Krebasrten im Südpolarmeer und bedeutet „Walfutter“. Generell wird Euphausia superba als Antarktischer Krill bezeichnet, der am häufigsten in der südlichen Hemisphäre vorkommt. Bild: Uwe Kils

Es existiert keine direkte Beziehung zwischen Buckelwalen und spezifischen Krillarten. Die Wale scheinen im gesamten Bereich der Bransfieldstrasse vorzukommen unabhängig davon wieviel Krill zur Verfügung steht. Gemäss der Studie scheinen aber Buckelwale in solchen Gebieten aufzutreten, in denen mindestens eine mittelgrosse Konzentration von Euphausia superba auftritt. Buckelwale scheinen Migrations- und Nahrungssuchmuster entwickelt zu haben, die sie in Regionen mit mindestens durchschnittlich genügend grossen Futtermengen bringen. „Im Angesicht steigender Krillfischerei und Klimawandel-bezogenen Veränderungen der Krillbiomasse müssen vermehrt solche Untersuchungen über Krill und ihre Fressfeinde wie beispielsweise Bartenwale, durchgeführt werden. Damit können wir sicherstellen, dass eine Überwachung stattfindet und die Lebensräume im Südpolarmeer auch weiterhin die Buckelwalpopulationen stützen und ernähren können. Denn die Populationen haben eben erst wieder eine nachhaltige Grösse erreicht,“ erklärt Helena Herr. Die Anstrengungen für die Untersuchungen über die Ökologie und Futterstrategien der stärker bedrohten Finnwale auf der südlichen Halbkugel sollten verstärkt werden. Denn es ist nur sehr wenig über ihre Verbindungen zu und ihre Abhängigkeiten von den lokalen Beutetieren bekannt.

Sichtungen von Buckelwalen entlang der antarktischen Halbinsel haben in den letzten Jahrzehnten zugenommen und sind ein gutes Anzeichen für eine sich erholende Population. Hoffentlich können diese Giganten dadurch in eine sicherere Zukunft springen. Bild: Michael Wenger
Sichtungen von Buckelwalen entlang der antarktischen Halbinsel haben in den letzten Jahrzehnten zugenommen und sind ein gutes Anzeichen für eine sich erholende Population. Hoffentlich können diese Giganten dadurch in eine sicherere Zukunft springen. Bild: Michael Wenger

Quelle: Herr et al. Polar Biology 2016, 39(5) 799-818