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Blauwale sind die grössten Tiere, die je auf der Welt gelebt haben. Während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde diese ikonische Art massiv im Südlichen Ozean bejagt und stark dezimiert. Seit dem Moratorium haben sich die Zahlen ganz langsam etwas erholt. Aber ist es immer noch unklar, wieviele Wale sich um die Antarktis tummeln. Ein australisches Forschungsteam hat nun neue genetische Daten veröffentlicht und entdeckten drei genetisch getrennte Populationen dieser stark gefährdeten Riesen.

Blauwale werden in drei Unterarten eingeteilt, von denen der Antarktische Blauwal (Balaenoptera musculus intermedia) wahrscheinlich die häufigste ist. Das grösste je gemessene Tier war 33 Meter lang und wog über 150 Tonnen. Bild: Michael Wenger
Blauwale werden in drei Unterarten eingeteilt, von denen der Antarktische Blauwal (Balaenoptera musculus intermedia) wahrscheinlich die häufigste ist. Das grösste je gemessene Tier war 33 Meter lang und wog über 150 Tonnen. Bild: Michael Weng

Die Resultate, die in Scientific Reports jetzt veröffentlicht wurden, sollen Managementmethoden unterstützen, damit sich die Wale von der Waljagd aus dem 20. Jahrhundert erholen können. Damals wurden die Tiere von schätzungsweise 239‘000 auf gerade noch 360 reduziert. „Obwohl die drei entdeckten Populationen zusammen gesehen werden, wenn sie in der Antarktis fressen, sind sie genetisch unterschiedlich,“ erklärt Dr. Catherine Attard von der Flinders Universität. „Das bedeutet, dass die Populationen sich an verschiedenen Orten fortpflanzen, vielleicht sogar in verschiedenen Ozeanen, wenn sie im Winter nach Norden wandern.“ Sollten die drei Gruppen unterschiedliche Wanderwege zu verschiedenen Fortpflanzungsgebieten einschlagen, werden sie von unterschiedlichen Bedrohungsquellen betroffen, einschliesslich Lärm“verschmutzung“ durch seismische Untersuchungen und Schiffsverkehr, Verwicklung in Fischernetze und –leinen, Tourismus und Klimawandel. Diese Unterschiede der Bedrohungsquellen zwischen den Populationen, bedeutet einen wichtigeren Schutz auf der Populationsebene, um das lokale Aussterben zu verhindern.

Die Erforschung von Blauwalen ist eine harte und ermüdende Arbeit. Trotz der Tatsache, mit dem grössten Tier der Erde zu arbeiten, ist es enorm schwierig, diese rätselhaften Giganten im riesigen Südpolarmeer zu finden. Bild: Carlos Olavarria
Die Erforschung von Blauwalen ist eine harte und ermüdende Arbeit. Trotz der Tatsache, mit dem grössten Tier der Erde zu arbeiten, ist es enorm schwierig, diese rätselhaften Giganten im riesigen Südpolarmeer zu finden. Bild: Carlos Olavarria

Die Populationsstrukturen von antarktischen Blauwalen zu verstehen, ist durch ihre mobile Lebensweise und die Schwierigkeit und Ausgaben, sie zu finden und zu verfolgen, enorm kompliziert. Seit den 1990er Jahren aber, haben Untersuchungen von Schiffen aus unter der Schirmherrschaft der Internationalen Walfangkommission (IWC) eine Reihe von Haut- und Fettschichtbiopsien eingebracht. Dr. Attard und ihre Kollegen Assistenzprofessorin Luciana Möller und Professor Luciano Beheregaray haben die DNA von 142 dieser Proben benutzt, um die Populationen von antarktischen Blauwalen zu identifizieren und zu beschreiben. „Durch den Vergleich von Ähnlichkeiten und Unterschieden in der individuellen DNA, konnten wir sagen, welche Individuen zu welcher Population gehören und so die Anzahl Populationen errechnen“, erklärt Dr. Attard weiter. „Individuen von derselben Fortpflanzungsgruppe sind genetisch ähnlicher als die von verschiedenen Populationen.“

Walarten zu identifizieren wird in erster Linie durch die auffällige Rückenfinne erreicht. Deren verschiedenen Grössen und Formen machen es einfach, zwischen dem Blauwal, dem grössten Tier (rechts) und dem Finnwal, dem zweitgrössten Tier (links) zu unterscheiden. Bild: Michael Wenger
Walarten zu identifizieren wird in erster Linie durch die auffällige Rückenfinne erreicht. Deren verschiedenen Grössen und Formen machen es einfach, zwischen dem Blauwal, dem grössten Tier (rechts) und dem Finnwal, dem zweitgrössten Tier (links) zu unterscheiden. Bild: Michael Wenger

Die Forschungsgruppe fand heraus, dass Individuen der drei Populationen überall in der Antarktis zusammen vorkommen, wahrscheinlich weil Blauwale generell grosse Distanzen rund um Antarktika auf der Suche nach grossen Krillschwärmen zurücklegen. „Wir nehmen an, dass die drei Populationen getrennte Wege gehen, wenn sie nach Norden zur Fortpflanzung ziehen. Wahrscheinlich ziehen sie in den Südpazifik, den Südatlantik, und den Indischen Ozean,“ sagt Dr. Attard. „Die können wir durch Satellitenmarkierungen an den Walen herausfinden. Noch mehr Biopsieproben könnten dann in den Fortpflanzungsgebieten entnommen werden, um zu bestimmen, wer Wer ist. Wenn wir herausfinden, wohin sie ziehen und welchen Gefahren sie ausgesetzt sind, sind wir einen Schritt näher daran, ihnen zu helfen, sich von ihrer Beinah-Ausrottung durch die Walfänger zu erholen.“

Quelle: Australian Antarctic Division